Kryotherapie & Kryopeeling: Kälteverfahren zur Behandlung von Aknenarben

Die Kryotherapie ist ein Kälteverfahren (Kryos = Frost), das unter anderem in der Tumorbehandlung, Augenheilkunde und der Dermatologie Einsatz findet.
Die Technik gleicht vornehmlich hypertrophe Aknenarben und Keloide aus, eventuell in Kombination mit Kortisoninjektionen.
So genantes Kryopeeling lindert atrophe Narben.

Funktionsweise

Ein Kühlmittel, zumeist flüssiger Stickstoff (bis - 195,8° C), wirkt für wenige Sekunden auf die Narbe und friert sie ein. Die Zeit hängt von der Narbengröße sowie -tiefe ab und beträgt mehr als 10 bis maximal 45 Sekunden.
Nach vollständigem Auftauen schließt sich sofort ein zweiter Einfriervorgang an.

Bedingt durch den Temperaturschock ergeben sich nacheinander im Narbengewebe:

Die umliegende Haut bleibt aufgrund einer abweichenden Durchblutungssituation unversehrt.
Das zerstörte Narbengewebe (Kryonekrose) baut sich zu gesundem Kollagen um.

Zwei Formen der Kryotherapie

Geschlossenes Kontaktverfahren

Das Kühlmittel durchströmt geschlossene Sonden oder kühlt den Kryo-Applikator vor. Antihaftbeschichtete Metallstempel oder Wattebäusche vereisen die Narbe bei direktem Kontakt. Die Tiefenwirkung erstreckt sich bis etwa 4 Millimeter und lässt sich auf Druck noch erweitern.

Offenes Sprayverfahren

Mittels offener Sonden gelangt das Kühlmittel durch Aufsprühen aus circa einem Zentimeter Abstand auf die Narbe. Das Sprayverfahren eignet sich besonders für unregelmäßige Regionen und ist leicht steuerbar. Der Effekt reicht ungefähr 12 Millimeter tief.

Varianten

1. Kryopeeling (Kältepeeling)

Die oft kreisförmige Sonde (2 mal 2 cm, - 86° C) bleibt auf der Haut, bis nach einigen Sekunden eine Eisschicht erscheint, und wandert weiter, bis das gesamte Areal behandelt ist.
Ein invasiveres Kryopeeling per Sprayverfahren (- 196° C) liefert raschere Ergebnisse, ist aber häufig mit Nebenwirkungen verbunden.

2. Intraläsionale Kryotherapie

Eine lange Kanüle durchdringt die Aknenarbe, leitet flüssigen Stickstoff durch das Gewebe und sorgt für ein Vereisen von innen nach außen.

3. Intraläsionale Kortisonbehandlung (nicht bei atrophen Aknenarben)

In die Narbe injiziertes Kortison hemmt ihr Wachstum und macht sie weicher und dezenter.

Vor der Behandlung

Ein Vorgespräch klärt, ob folgende Beschwerden bestehen:

Während der Behandlung

Kältechirurgie gehört in die Hände eines Facharztes (Dermatologe).

Oftmals ist bei tief greifender Vereisung eine Lokalanästhesie erforderlich.
Bei oberflächlicher Behandlung ist ein erster stechender Schmerz bis zur Kältewirkung spürbar (Kälteanästhesie). Beim Auftauen kehrt der Schmerz kurzfristig zurück.

Augenschalen und Kunststoffauflagen schützen Augen, Mund und Nase beim Sprayverfahren.
Ein Desinfizieren der Haut kommt nur beim Kontaktverfahren zur Anwendung.

Über die Zahl der Gefrierauftauzyklen entscheidet der Operateur.
Die Reichweite der Vereisung einschließlich ihrer Tiefe lässt sich meist optisch oder mit Temperaturmessnadeln beurteilen.

Ein Pflasterverband kann die Läsion verschließen.

Die Maßnahme dauert wenige Minuten, intraläsionale Kryochirurgie schätzungsweise eine halbe bis Dreiviertelstunde.

Nachbehandlung

Binnen ein bis zwei Tagen bildet sich eine Blase, die mit Gewebeflüssigkeit oder Blut gefüllt ist. Größere Blasen öffnet der Arzt.

Es entsteht eine nässende Wunde (exsudative Phase), die nach einer Woche austrocknet. Ein tägliches Versorgen mit antiseptischer Salbe ist unumgänglich.

Das verletzte Gewebe heilt in 10 bis 14 Tagen unter Bildung einer Kruste, die von allein abfällt (nicht manipulieren!) und zarte neue Haut enthüllt.
Die komplette Heilung braucht rund drei bis sechs Wochen.

Ein Sonnenschutz ist in dieser Zeit ratsam.

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken

Wiederholungen

Zwei bis acht Sitzungen sind zu berücksichtigen. Da mindestens vier Wochen dazwischen liegen müssen, gestaltet sich die Kryotherapie langwierig.

Praxiserfahrungen zeigen Rückfälle um 45 Prozent. Eine Kombination mit Kortison verringert diese Rezidivrate.

Ergebnisse

"Bei 60% der Patienten ist die Therapie erfolgreich", resümiert der Hautarzt Dr. Michael Schnicke aus Bonn.
Die Narbe flacht mit jeder Behandlung stetig ab und gewinnt an Flexibilität. Nach drei bis sechs Monaten lassen sich die Resultate einschätzen.

Dr. Roland Aschoff, Leiter der Poliklinik für Dermatologie in Dresden, bestätigt die Bilanz eines italienischen Ärzteteams: Kryotherapie ist in der Lage, die Größe von Keloiden bis zu 73 Prozent zu reduzieren.

Ausfallzeit

Die Methode funktioniert hautabtragend (ablativ). Die Downtime hängt daher wesentlich von der Dimension des Eingriffs ab. Bei kleinen und flachen Arealen ist mit geringer oder keiner Ausfallzeit zu rechnen. Ansonsten kann eine Ruhephase ungefähr bis sieben Tage dauern.

Kosten

Die Preise gestalten sich variabel und beginnen teilweise bei unter 100 €.